Das Buch der Träume
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Die Welt dahinter

* Eine Geschichte von Louis Cyphre *

Inspiriert durch "Die Tiefe" von BeautifulExperience und eines meiner Verbrechen



Fotografieren ist schon lange mehr als ein amüsantes Spiel für mich.
Als ich damit angefangen habe, war es nicht mehr.
Der Fotoapparat war ein neues Spielzeug, die Entwicklung der ersten Filme ein teures und zweifelhaftes Vergnügen. Irgendwann war ich in der Lage, selbst zu entwickeln, und dann entdeckte ich den unkomplizierten Prozess der digitalen Fotografie, die mir ein neues Maß an Freiheit erlaubte. Es war ein überwältigendes Maß an Freiheit, und ich konnte endlich genau so fotografieren, wie ich es mir immer gewünscht hatte: Mit der Geschwindigkeit von Augenblicken.
Ich legte mir eine Speicherkarte zu, die wie ein Fass ohne Boden war und alles aufnehmen konnte, was ich ihr zu schlucken gab, und so machte ich mich auf meine ersten Streifzüge.

Ich war schon immer fasziniert davon, etwas im Bild festhalten zu können, das flüchtig war. Alle Dinge sind flüchtig, die einen mehr, die anderen weniger. Aber alles vergeht.
Wenn ich eine Wolke oder einen Sonnenuntergang fotografiere, kann ich den Prozess mit bloßem Auge verfolgen. Es braucht nicht viele Bilder, bis die Sonne hinter den Bergen untergegangen oder die Wolke zu einer neuen Form aufgeplustert oder in viele kleinere Teile zerfasert ist.
Lichte ich dagegen eine Blume, einen Baum, einen Menschen oder eine Landschaft ab, wird mein Auge trügerisch. Auch diese Dinge sind flüchtig und verändern sich in jeder Sekunde. Aber das Vergehen lässt sich schwerer beobachten, die Stadien des Prozesses schwerer festhalten. Ich brauche Geduld und eine ruhige Hand, und ich muss in der Lage sein, zu verschiedenen Zeiten den geeigneten Standort zu finden, um mein wandelbares Objekt zu bannen. Wie viele Bilder benötige ich? Was macht den Prozess wirklich sichtbar? Ist der Prozess das Entscheidende, oder ist es dieser eine Augenblick in der Zeit, in dem ein Ding seinen Höhepunkt, die Blüte seiner Kraft erreicht?

Ich glaube, es ist dieser eine Augenblick, der mich am allermeisten fasziniert, und die meisten meiner Bilder versuchen genau diesen Augenblick festzuhalten: Den Moment, in dem die Dinge unsterblich sind.

Anfangs war es der Prozess der Flüchtigkeit, der mich fesselte. Es war für mich eine Herausforderung, sogar das Vergehen grober Materie, eines Felsens oder einer synthetischen Substanz wie Plastik sichtbar zu machen. Ich setzte diese Dinge Kräften aus, die ich auf sie einwirken ließ, nutzte die Schwerkraft, Hitze und Kälte sowie die zerschmetternde Macht irrwitzig beschleunigter Projektile, um eine sichtbare Veränderung herbeizuführen, die sich innerhalb der Spanne meines Lebens abbilden ließ. Denn auch ich war flüchtig, und diese plötzliche Erkenntnis versetzte mich in Angst und Schrecken.
Ich lag wach und fragte mich, wie ich diesen einen Umstand hatte übersehen können! Und während der Schweiß auf meiner Haut trocknete und ich mich immer wieder hin- und herwarf, ohne Schlaf finden zu können, reifte in mir der Entschluss, das zu fotografieren, dieses eine, dem ich so sehr ausgewichen war. Aber es direkt abzubilden war eine Unmöglichkeit, und so nutzte ich Spiegel, um den direkten Kontakt, die unmittelbare Interaktion zu vermeiden. Es war beinahe der Aberglaube eines Indianers, der seine Seele in Bedrängnis sah. Ich betrachtete die Ergebnisse, verglich, sortierte, bearbeitete und veränderte.
Es war ein Fremder, den ich betrachtete, und der Schwung der Nase, die Form der Augen, die Wölbung der Lippen kam mir obszön vor in ihrer permanenten Wandelbarkeit. Das Objekt schnitt Grimassen, legte die Stirn in Falten, vollführte unbeschreibliche Gesten, die mich an seinem Verstand zweifeln ließen. Ich arbeitete mit Farben, Effekten, Belichtungen und konfrontierte mich Tag für Tag mit dem Spiegelbild, das ich erst als mich selbst erkannte, als ich jede Verfremdung beiseite ließ und das pure, unverfälschte Bild betrachtete. War das eine Falte auf seiner Stirn, die vorher nicht da war?
Ich hielt den Atem an, nahm die Kamera zur Seite und schaute mich nun nicht mehr über das Display, sondern direkt im Spiegel an. Mein Abbild war erstarrt, die Haut wächsern und die Lippen sehr schmal. Die Augen schwammen in Tränen, als sich im nächsten Augenblick mein Magen zusammenzog und ich alles erbrach, was in mir war.
Als ich mich aufrichtete, griff ich nach der Kamera und richtete das Objektiv direkt auf mein Gesicht. Ich drückte den Auslöser, und mein Herz blieb stehen.
4.7.06 17:25
 

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