Das Buch der Träume
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Das Geisterschiff (5)

* Eine Geschichte von BeautifulExperience *


Mittwoch, 6. September 1989:

Liebes kleines wunderbares Tagebuch! Bin im Hochmontafon ? genauer: Gaschurn (knapp 1000 m. ?. NN) ? gelandet und verbringe hier einen super Urlaub mit meinen Eltern.
Heute (am 3. Tag) kletterten wir knapp 2700 Meter hoch ? ?ber Eis, Schnee und Ger?ll ? und testeten mal aus, was unsere K?rper noch drauf haben. Auf jeden Fall gar nicht soo schlecht, wenn, ja wenn man sich fordert! Da kommen dann oft recht ?berraschende M?glichkeiten zum Vorschein, von denen man bis dahin kaum eine Ahnung hatte. Aber ansonsten (und w?hrenddessen!) geht der Kampf auf allen Fronten weiter! Ich bin an einem Punkt, wo ich noch mehr als bisher aufpassen mu?, dass nicht alles (von dem bisher wenigen, aber umso wichtigeren), was ich bis jetzt an mir erreicht habe, nicht wieder zusammenst?rzt wie ein Kartenhaus. Hellwach mu? ich sein, dass ich nicht wieder alle Energie verpulvere, die mein K?rper langsam gewinnt.
Und das fordert! Junge, das kann ich Dir sagen! Aber Du wolltest es, Du allein bist f?r alles verantwortlich, was mit Dir geschieht. Klar. Aber die Schwierigkeiten sind nicht ohne. Es ist schwierig, eine v?llig neue Art der partnerschaftlichen Beziehung zu lernen, obwohl es mit Imke m?glich sein kann, wenn ? ja, wenn ich meine Lust im Griff behalte, meine ?bersch?umen wollende Sexualit?t, und lerne, damit auf andere Art umzugehen. Vielleicht kann ich es mit Imke zusammen lernen, diese gewaltige Form der Energie so zu nutzen, dass sie nicht verlorengeht. Unser erster gemeinsamer Schritt dazu in Wolfstein war vielversprechend. Wir hatten beide unsere K?rper recht gut in Kontrolle. Aber kein Grund zum Frohlocken: es wird sehr, sehr kompliziert sein, schwierig sein, die Lust ?ber l?ngere Zeit zu kontrollieren und bewusst zu bleiben!
Es ist m?glich, sich gemeinsam in der Entwicklung zu begleiten, zu beschleunigen, wenn wir uns nicht ineinander verlieben, uns nicht aneinander h?ngen, uns niemals vermissen. Siehst Du, wie schwer es ist, Boris? Siehst Du, was es kostet, wie sehr wachsam Du sein mu?t? Aber das ist nicht alles, Boris; versuch' Dir alles bewu?t zu machen, was Du tun mu?t ? st?ndig -, wo Du arbeiten mu?t, wie oft Du weinen wirst bei diesem Weg.



Donnerstag, 7. September 1989:

Irgendwo in der Bibel hat doch Christus mal gesagt:
?Nicht an ihren Worten, an den Taten sollt ihr sie erkennen..."
Demnach geh?re ich ganz klar zu denen mit den gro?en Worten, denn von irgendwelchen Taten oder zumindest ?T?tchen" kann ja nun wirklich keine Rede sein!
Ein bi?chen Halsschmerzen mit Schluckbeschwerden, ein kleines St?ck abgebrochener Zahn und leichte Zahnschmerzen ? und schon ist die ganze Herrlichkeit meines pseudoschamanischen Geschwafels dahin und das gr??te Gejammer meinerseits geht los! Ein klassischer Fall von Papiertigertum.
Sollte ich noch einmal glauben, Papa belehren oder gar bekehren zu m?ssen (ich Superheld!!), ich glaube, es w?re besser, ich drehe mir dann selbst den Hals um. Da ma?' ich's mir doch glatt an, den Kopf ?ber manche Verhaltensweisen meiner Eltern sch?tteln zu m?ssen! Boris-Superarschloch!
Nicht mal meine eigenen Zahnschmerzen, mein eigenes l?cherliches Halsweh krieg' ich in den Griff....aber dann gro? die Klappe aufrei?en, wenn und solange mir's gut geht! Fantastisch.
Lies Dir das ruhig ?fters mal durch, Du Bl?dmann vom M?chtegern-Weltverbesserer.
Bis jetzt hast Du nur 'ne ganz, ganz gro?e Schnauze, Boris! Und die h?ltst Du besser. Zum Mitschreiben: HALT DEIN BL?DES MAUL, DUMMSACK! UND WAG'S NICHT, ANDERE ZU BEURTEILEN..



Samstag, 24. September 1989:

Meine Zeit rast unheimlich schnell dahin, wenn ich sehe, dass es nun schon wieder fast zwei Wochen her ist, seit ich das letzte Mal versucht habe, meine pers?nlichen Gedanken schriftlich festzuhalten. Es tut weh zu sehen, dass ich mit meinem Leben, mit meinem Wunsch nach Leben vielmehr, immer noch nicht wesentlich vorankomme ? ja sogar eher R?ckschritte als Fortschritte mache.
Ich lasse mich immer wieder gehen und sp?re, dass ich das bi?chen Energie, das ich mir recht m?hsam angespart hatte, schon wieder fast ganz verloren habe. Bequemlichkeit, Faulheit und Lust: meine ?ber alles geliebten G?tter!
Noch etwas l?nger so, und sie rei?en mir meine Augen bei lebendigem Leibe aus. Doch obwohl ich das wei?, bekomme ich meinen Arsch einfach nicht hoch!
Dann gerate ich an dieses erste Buch von Henry Miller...und alles scheint nur noch schlimmer zu werden: meine Lust nimmt ?berhand, ich gerate in einen Strudel, der mich allerdings viel tiefer nicht mehr ziehen kann: ich scheine wirklich nur noch ans V?geln denken zu k?nnen!
Nun gerate ich an dieses zweite Buch von Henry Miller (?Sexus"), und alles scheint sich zu ?ndern. Ich beginne wieder klarer zu sehen, innerlich leichter und unbeschwerter zu werden, kurzum: mich nicht mehr ganz so sehr zu hassen und zu verachten wie in den letzten Tagen. Es ist mir ein R?tsel, wie ich gerade an diese B?cher geraten bin, aber ich wei?, dass ?Sexus" sehr wichtig f?r mich und meine Gedankenwelt ist: es beruhigt, dass nicht ich allein so denke, wie ich denke, und so f?hle, wie ich f?hle. Ich ahne, wie sehr ich lernen und erfahren mu?: ich mu? ganz von vorn beginnen.
Und auch, wenn ich kein Land sehe: ich beginne wieder, mit mir zu k?mpfen, mich selbst kennenzulernen und zu hoffen, dass es mir gelingt ? was auch immer gelingen soll.

?Und jetzt, wo sie keinen guten Faden an mir gelassen haben, will ich zugeben, dass auch ich ihn f?r einen K?nstler halte und immer gehalten habe. Was das betrifft, dass man ihm zuh?ren soll, so tue ich auch das, und zwar ganz ernsthaft. Aber dann habe ich auch meine Zweifel. Sehen sie, wenn ich ihm zu lange zuh?rte, w?rde er meine Existenz untergraben. Ich wei?, er hat recht, aber wie ich ihnen vorhin schon sagte, wenn man weiterkommen, wenn man leben will, kann man sich solche Gedanken einfach nicht leisten. Freilich hat er recht! Ich w?rde jederzeit mit ihm tauschen, dem Gl?ckspilz. Was habe ich mit allen meinen Anstrengungen erreicht? Ich bin ein Anwalt. Na und? Ich k?nnte ebensogut ein Haufen Schei?e sein. Gewi?, sie k?nnen sicher sein, dass ich mit ihm tauschen m?chte. Nur bin ich kein K?nstler, wie sie sagen. Ich glaube, es liegt einfach daran, dass ich mich mit der Wahrheit nicht abfinden kann, nur ein weiterer Niemand zu sein..."

Henry Miller, SEXUS


*

Jetzt war ich drau?en, bei verhangenem Himmel, mit dem Fahrrad unterwegs. Ich fuhr vorbei am Reitclub, verweilte eine Zeit lang auf einer Bank im Ordenswald, fuhr am Soldatenweiher vorbei, die Robert-Stolz-Stra?e entlang und dann wieder nach Hause. Und obwohl es so verhangen, ja fast d?ster war, f?hlte ich mich dennoch auf eine seltsame Art und Weise wohl. Es gab keine L?sungen f?r meine Probleme, nichts, das einen aufatmen lassen k?nnte ? nur diese magische Atmosph?re in diesem Wald, in dieser Stadt; und diese unbestimmte Sehnsucht nach etwas, das sich nicht greifen l??t, das da zu sein scheint ? alles zu durchdringen scheint -, fast schon physisch pr?sent wirkt, sich aber dennoch jenseits meiner Wahrnehmung bewegt.


Fortsetzung folgt!
6.6.05 13:28
 

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