Das Buch der Träume
Gratis bloggen bei
myblog.de

Das Ende der Wirklichkeit

Teil 7


* Ein Essay von BeautifulExperience *


HENRI MICHAUX

4.2.1 Zur Person; Zugang zur Droge


?Die Beziehungen zum Unterbewu?ten vermehren, darauf kommt es an...Es machen lassen. Es vollenden lassen. Die h??liche Gewohnheit aufgeben, alles selber machen zu wollen...
Den ?daimon? wiederkehren lassen.? (Michaux 1961, 252).

Michaux? Worte lassen einen unwillk?rlich an Huxleys Erfahrungen zur?ckdenken, der in ?Die Pforten der Wahrnehmung? so formuliert: ?...ein sehr seltsames Gef?hl, nicht mehr zu diesen Armen und Beinen ?dort drau?en?, diesem v?llig gegenst?ndlichen Rumpf, diesem Hals und nicht einmal zu diesem Kopf zu geh?ren(...).
...jedenfalls schien der K?rper durchaus imstande zu sein, selber f?r sich zu sorgen (...). Das bewu?te Ich kann nicht mehr tun, als W?nsche zu formulieren, welche dann durch Kr?fte ausgef?hrt werden, die es nur wenig beherrscht...? (Huxley 1970, 41).

Henri Michaux, der 1899 geborene, bedeutende belgische Schriftsteller, Dichter und Maler, hat nicht nur diese Erkenntnis mit Aldous Huxley gemeinsam. Gemeinsam ist ihnen auch die Erfahrung mit der gleichen Droge, dem Meskalin, und der bei beiden in gleicher Weise ausgepr?gte Forschergeist. Geht Huxley jedoch streng wissenschaftlich, unter experimentellen Bedingungen vor, so geht Michaux einen mehr subjektiven, dank seiner geistigen Konstitution als Dichter und Maler mehr emotionalen Weg.
Michaux will Neuland des Bewu?tseins entdecken. Er betreibt ?..eine Erforschung. Durch Worte, Zeichen, Zeichnungen. Erforscht wird das Meskalin.? (Michaux 1961, 237).
Michaux geht UNMITTELBAR vor; er schreibt seine Erfahrungen direkt w?hrend des Erlebnisses nieder und redigiert den Text nachtr?glich.

Neuland des Bewu?tseins zu entdecken ? von Anfang an ist das der Sinn eines jeden Satzes gewesen, den Michaux je niederschrieb. W?hrend seiner Jugendzeit schwankte er zwischen dem Studium und dem Eintritt in den Benediktinerorden, dann ging er als Matrose zur Handelsmarine.
?Noch heute bedauert er, dass sich schon nach seiner ersten ?berseereise f?r ihn ?das gro?e Fenster wieder schlo?. In der Folge verlegte er das Abenteuer auf das Gebiet des Geistes, wenn er auch immer ein passionierter Reisender geblieben ist.
Reisen, Schreiben, Malen sind f?r ihn nur verschiedene Formen des gleichen geistigen Ausdehnungsdranges.
Neuland erobern ? das hei?t aber zugleich: sich selbst befreien. Distanz von sich selbst gewinnen, indem man sich von einem weit entfernten Standpunkt aus betrachtet, etwa mit den Augen einer erfundenen Person (..). Wie die Seefahrt das Abenteuer des J?nglings, so war das Meskalin das Abenteuer des Mannes, das er nicht ausschlagen durfte, als es sich ihm bot; denn nirgends konnte er hoffen, die Motive und Leitideen seines bisherigen Lebens so wirksam vereint zu finden: das Medizinische und das Theologische, die Einheit von k?rperlichem und geistigem Erleben, die Selbstverfremdung zum Objekt eines unerbittlich determinierten Prozesses und die Selbsterm?chtigung des Subjekts als des autonomen Tr?gers der unendlichen Turbulenz.? (Michaux 1961, 241 und 243).

Selbstbefreiung ? Neuland des Bewu?tseins ? Abenteuer zwischen exakter Medizin und mystischer Theologie -: das scheinen in erster Linie die Antriebskr?fte zu sein, die Michaux dazu bewogen haben, seine Meskalinerfahrungen zu machen.
Liest man seine Aufzeichnungen, so hat man den ?berw?ltigenden Eindruck, als f?hrte seine ?Reise? sehr, sehr weit. Betrachtet Huxley vor allem eine ver?nderte Au?enwelt, so erlebt Michaux die Visionen, die Huxley vergeblich gesucht hat.
Im folgenden gebe ich Ausz?ge von Michaux? Erfahrungen so wieder, wie er sie geschildert hat. Eine Kommentierung erscheint mir schwer m?glich.


4.2.2 Die Erfahrungen Michaux? (in acht Versuchen)

Versuch 1:
?Zweimal, im Abstand von einer Stunde, Meskalin genommen. 0,20 Gramm? Ich wei? es nicht. Wie soll man ohne Instrumente Dezigramme messen? Diese Ungewi?heit wird mir gleich darauf sehr ?rgerlich sein...
Wasser bewegt sich in einem Glase, aus dem ich getrunken habe. Mir wird schlecht, wenn ich es ansehe. Ich mu? die Augen davon abwenden. Ich mu? mich vollst?ndig abwenden von diesem Wasser, das dazu gebracht worden ist, sich hinundherzubewegen, das sich jetzt in alle Ewigkeit hinundherbewegen wird. Die Sinnesempfindung ist eingefangen in einer automatischen Str?mung, die sie nicht losl??t. Sinnesempfindung recht eigentlich ?eingeschifft? auf einem Verst?rker-Verl?ngerer, der sie dauern l??t. Verkoppelt mit einer fortgesetzten Bewegung, setzt sie sich fort, wiederholt sich, und weil sie sich ohne Grund wiederholt, sieht man nicht ein, weshalb sie sich nicht ohne Ende wiederholen sollte, ohne Ende, ohne Ende, f?r immer.? (Michaux 1961, 28/29).
?Zeichen der sich ausbreitenden Unempfindlichkeit, und wenn sie sich zu weit ausgebreitet hat, ist es aus mit jeder Selbstbeherrschung. Soll denn dies abermals meine Wachsamkeit ?berrumpeln und mir die F?hrung meines Daseins aus der Hand winden? Visionen, viele Visionen, lebhafte, lebhafte...
Pl?tzlich habe ich Furcht. Ich habe schwarze Bilder gesehen. Wie, wenn ich jetzt nur noch Schwarzem begegnen w?rde? Wenn ich mich drau?en wie drinnen f?r immer und ewig im Schwarzen befinden sollte..? (Michaux 1961, 38/39).


Versuch 2:
?Zehn vor zw?lf. Ich sp?re nichts, doch ich wei? schon, dass die Kennziffern auf dem R?ckschild des Autos mir unangenehm, erschreckend, unertr?glich sein werden. Die dicken Polizeizahlen werden mir mit ihrem gebieterischen, brutalen Aussehen wehtun, und vielleicht h?mmern sie schon jetzt auf mich ein. Eilig verberge ich sie mit belaubten Zweigen und Farnkrautstauden, die ich drau?en abrei?e. Nachdem das getan ist, stellt sich heraus, dass der Wagen selbst mir ?bertrieben, unmenschlich massiv erscheint, widernat?rlich, ein richtiger erloschener Vulkan. Ich bedecke ihn ebenfalls, so gut ich kann, mit Gezweig...
Sich erinnern: jedesmal geht die Seltsamkeit den Visionen voraus. Sehr ungef?hre Spuren von Empfindungen modifizieren mein Verh?ltnis zur Welt, das anders erlebt wird. Man befindet sich in einer inneren Metamorphose. Man steuert, aber nicht gleich in einem St?ck, dem ?berzustand entgegen..? (Michaux 1961, 50/51).


Versuch 3:
?Es ist ganz verr?ckt, wie voller Selbstgespr?che ich bin: Parolen, die ich mir gebe, ?berlegungen f?r mich allein, Ermutigungen, die ich mir ?berreichlich spende, Pl?ne f?r die Zukunft, Kehrtwendungen, R?ckblicke und ungeheuer viele kleine Erkl?rungen, Erl?uterungen im Detail, die ich mir unaufh?rlich liefere...
Das Unglaubliche ist geschehen, das was ich seit meiner Kindheit verzweifelt ersehnt habe, das scheinbar Ausgeschlossene, von dem ich gedacht hatte, dass ich f?r meine Person es niemals sehen w?rde, das Unerh?rte, das Unerreichbare, das Allzusch?ne, das Erhabene, mir bisher verboten, hat sich ereignet.
Ich habe Tausende von G?ttern gesehen.
Ich habe das ?berw?ltigend wunderbare Geschenk empfangen. Mir der ich ohne Glauben bin (ohne den Glauben zu kennen, den ich vielleicht haben k?nnte), mir sind sie erschienen. Sie waren da, in lebendiger Gegenwart, lebendiger gegenw?rtig als irgend etwas, das ich jemals gesehen habe...
Ich w?re verr?ckt gewesen, wenn ich ?berpr?fungen angestellt und mich dadurch abgesondert h?tte. Diesmal schlo? ich mich an.
Man fragt mich: Aber war es denn eine Vision oder eine Halluzination? Oder eine Erscheinung? ? Es hat sich ereignet, das ist alles.? (Michaux 1961, 75/79/82).


Versuch 4:
?Ich will nackte K?rper sehen. Besessenheit? Ja und nein. Der Grund daf?r ist, dass aus einer Reihe von Bildern aller Arten, die ich vorgeschlagen hatte, gerade der K?rper, wie ich feststellte, nicht durchkam, dass er mehr als irgendetwas anderes auf Widerstand stie?, und wenn er je einmal die Grenze ?berschreiten konnte, war er unkenntlich (gebuckelte, gewaffelte, durchsiebte K?rper).
Ich mache neue Anstrengungen. Vergebens. Die K?rper wehren sich zu existieren. Je mehr ich eine sch?ne, wohlproportionierte Frau heraufbeschw?ren m?chte, um so mehr ist sie au?er Reichweite, unerschaffbar..? (Michaux 1961, 97).


Versuch 5:
?Um mich auf die erhabensten Gegenst?nde zu konzentrieren, beginne ich indische religi?se Gedichte zu lesen, und ich nehme ?Das Leben Buddhas? wieder vor, das ich vor einigen Wochen aus der Hand legte, weil es mich entt?uscht hatte.
Diesmal aber: unmittelbare Begeisterung, ohne Vorbehalt, die mich hinrei?t, mich emporhebt, ohne dass ich mir gleich bewu?t bin, bis zu welcher H?he...
Von den ersten Zeilen an macht das Hochgef?hl einen fast k?rperlich greifbaren Sprung, so als s??e ich in einem Wagen, der pl?tzlich auf einen Gashebeldruck anspringt...
Da, wie ich auf dem h?chsten Punkt der Begeisterung bin, dem gespanntesten Bogen...was denn! Was geschieht mir? Was geht vor? (..) Sintflut von Unflat, ?berall wogend, brandend, den ganzen Gesichtskreis einnehmend und den Gesichtskreis meiner Seele und ihrer Sehns?chte. Ich bin davon erstickt, geblendet. Ich habe noch nicht begriffen, was mir geschah, ich will mir weismachen, dass diese Bilder, so unwahrscheinlich ausschweifend sie sind.., dass diese Bilder keine Folge haben werden.
Glaube ich das wirklich? (..) Habe ich denn noch gar nicht begriffen? Was denn?
Dass es nicht so sehr auf die Vision ankommt, sondern auf die als Verr?terin ?ber mich gekommene Trance, die mich emporhebt und sich steigert, sich steigert, sich steigert und mich dr?ngt und voranst??t, kopf?ber in eine Wonne, in eine nicht k?rperliche, nicht ?rtlich bedingte, sondern innere, wesenhafte, in mir zentral aufstrahlende Wonne, die mich hinrei?t, mich einf?ngt, mich berauscht, mich umwirft, mich zersetzt, mich aufl?st, in einer ?berschwenglichen Entz?ckung, ungehemmt, ohne Gegengewicht, ohne Kritik, ohne irgendeine M?glichkeit, eine allesverschlingende, symphonische L?sternheit, deren schamlose Panoramen dennoch nichts anderes sind als die Best?tigung und Illustration des vielf?ltigen, unerh?rten zerebralen Orgasmus, der mich ohne Unterla? gefangen h?lt..? (Michaux 1961, 103-106).


Versuch 6:
?Der ?berzustand ? eigentlich m??te ich mitten darin sein. Was geht vor? Unzuverl?ssige Droge, die sich jedesmal ein wenig anders verh?lt. Als wenn irgendetwas hinter meinem R?cken angezettelt w?rde, ohne dass ich es beobachten k?nnte... (..) da geschieht es, auf einmal, dass ?ich? nicht mehr bin: wie in einer Fallt?r verschwunden, die offen war, ohne dass ich es wu?te, und wo ich hineinfallen mu?te. Unerh?rt!
Erst als ich die Zeitschrift wieder zur Hand nehme und das M?dchen nochmals betrachte, begreife ich. Sie ist ich geworden. Sogleich springe ich vom Bett herunter und laufe zur K?che, um mir eine Tasse Neskaffee zu machen, die ich herunterst?rze. Aber das Unheil ist geschehen. Ich versuche meine Fassung nicht zu verlieren..
Verf?hrerischer Zustand, voll Zauber, wenn man gegen?ber ist, aber in mir empfinde ich ihn als unw?rdig, ich m?chte ihn so rasch wie m?glich wieder verlassen.
Und wenn das so bliebe? Ich kann mich so nicht hinnehmen, mich so nicht zeigen (alles was damit zusammenh?ngt, was ich in dieser Minute entdecke). Werde ich mich t?ten m?ssen?
Aber Meskalin verwandelt sich, Meskalin dreht sich immer schnell weiter, Meskalin ist niemals fixiert.? (Michaux 1961, 130 u. 132-134).


Versuch 7:
?Ich sehe eine Eidechse in der Bibliothek, eine fast wei?e Eidechse. Vielleicht ein Waran. Nein, es gibt keinen wei?en Waran. Ist das sicher? Die in der W?ste sind schon ziemlich farblos. Und was sollte er hier machen? Ich kann nicht daran glauben. Suchen wir nicht weiter. Es gibt keinen Waran in meinem Zimmer. Man kann tausend gegen eins wetten, dass es keinen hier gibt. Und doch... Jedesmal, wenn ich die Augenlider hebe, ist er da, er existiert..
Es kann keine Eidechse sein. Wie w?re sie hierhergekommen, so hoch herauf? (..) Keinerlei Umstand verleiht der M?glichkeit Gewicht, dass diese Eidechse eine echte Eidechse ist. Sie kann nur falsch sein.
Blicken wir anderswohin. Immerhin, sobald ich die Blicke in diese Richtung lenke, verfehlt sie nicht, mich von neuem mit ihren kleinen kalten Augen anzusehen...
Unaufh?rlich wiederauftauchend, die Erscheinung einer Echse, deren Existenz ich nicht weniger unaufh?rlich in den darauf folgenden Sekunden ableugne, um sie ein paar Augenblicke sp?ter wiederzufinden, die Wiedergekommene, unzweifelhaft eine Eidechse, und ich mu? Beweise f?hren gegen ihre Existenz, ich mu? vern?nfteln, zehn-, zwanzig-, drei?igmal, bis ich nicht mehr kann... Zu ?rgerlich. Ich stehe auf.. Und h?tte sie auch nur die allerwinzigste Chance, echt zu sein, ich kann keine Eidechse in meinem Zimmer beherbergen, wo ich allein und aufgeregt bin...
Die Eidechse war nur ein St?ck zerknittertes Zeitungspapier. Ich nehme es weg, wei? aber, dass sie nicht verfehlen wird, trotz allem wieder zu erscheinen, trotz meines besseren Wissens, trotz des erbrachten Beweises...

Eben habe ich Verikardin genommen. Feigheit, weil die Dinge ja in Ordnung kamen. Nicht sicher! Und siehe da, wie ich mich in meinen Augen entschuldigen will und mich rechtfertigen, weil ich ein Beruhigungsmittel eingenommen habe, und wie ich mir die ?belkeit von vorhin zur?ckrufe und die Empfindung, die mich ergriffen hatte, als w?re ich am Rande... nein sogar schon im Rachen des Abgrunds gewesen, siehe da ? es ist unerh?rt ? im gleichen Augenblick (unheilbarer Dummkopf, der ich bin) schnappt das Schlo? des Wortes zu, der Rachen des Abgrunds, und ich bin drin, ich habe mich selbst hineingebracht, ich bin drin eingeschlossen, im Rachen des Abgrunds, der sich durch meinen vollzogenen Vergleich verwirklicht hat. Ich habe mich selbst hineingesteckt.
Man mu? da hindurchgegangen sein, um die Schnelligkeit der Ausl?sung zu kennen, den Blitz, den haarstr?ubenden Automatismus, so als wenn ein architektonischer Grundri? sich augenblicklich in das Bauwerk umsetzen w?rde, das er darstellt, vollst?ndig, fertig. ?Es werde Licht!? Und es ward Licht. Hier aber hie? es nur ?Licht? ohne Zusatz, ohne Befehl, ohne Wunsch, doch das gen?gte. Aber das Licht ist hier ?Abgrund?, und der Abgrund ?ffnet sich sofort, und ich plumpse hinein..? (Michaux 1961, 151-153 u. 157).


Versuch 8:
?Er geht auf wenige Seiten. Eigentlich geschieht darin sozusagen nichts. Dennoch z?hlt er. Meskalin ? lehrreich durch seine Verweigerungen ? begibt sich nicht auf das Gel?nde, wohin du es lenken m?chtest, sondern auf die Gebiete, denen deine wirkliche Sorge, Vor-Sorge, gilt...

Reine Gereiztheit, die nicht mehr n?tig hat, dass irgendetwas Aufreizendes sich bietet. Ich erkenne sie, weil ich sie ? ohne Sympathie ? bei andern beobachtet habe. Hier, immer in einer Entzogenheit. Zum Absoluten strebend. Zur v?lligen Tilgung der Realit?t. Totale Unbest?ndigkeit der Welt, von der man nichts mehr ?beh?lt?.
Jetzt war es an mir, aus eigener Erfahrung diesen verh?ngnisvollen Mechanismus kennenzulernen, diesen unertr?glichen Zustand, der dem Wirklichen jeden Geschmack entzieht. Ohne Geschmack ? kein Leben.
Diese Entziehung (denn Geschmack ist Wertung vom Geschmack her, Ruhe im Geschmack) l??t eigentlich keinen andern Ausweg als den Freitod.
St?rker als Verzweiflung, mechanischer wirkend, f?hig, aus allem und jedem beliebig viele Nichtse zu machen. Nicht einmal n?tig, Pessimist zu sein. Ich erma? jetzt das Elend mancher zu rasch verachteter Menschen. Ich begriff es: meinen ganzen Tag hatte ich mit unbeschreiblichen Durchg?ngen von Nichtsen verbracht.? (Michaux 1961, 170/177).


Auffallend bei Michaux? Schilderung seiner Erlebnisse ist die immerw?hrende Angst vor Dauer, Unendlichkeit, Ewigkeit des Meskalinrausches und der damit einhergehenden Bilder und Visionen.
Die ?Istigkeit? der Dinge, das intensive Sein ?berfordert Michaux ebenso wie Huxley, ja es verleitet ihn sogar dazu, abstruse Handlungen zu begehen, die er im Wachzustand wohl als irrsinnig beurteilen w?rde, in seinem ?meskalisierten? Zustand jedoch f?r folgerichtig und logisch h?lt (z.B. in Versuch 2, als er erst das Nummernschild und dann seinen ganzen Wagen mit Zweigen bedeckt, weil er durch sein Da-Sein beunruhigt wird).
W?hrend man bei Huxley jedoch von einer gleichbleibenden Hoch- oder Intensit?tsebene der (?u?eren) Erfahrung sprechen kann, gleicht Michaux? inneres Erleben oftmals einer Achterbahnfahrt, die sowohl h?chste H?hen als auch tiefste Tiefen kennt. Ein religi?ses, fast mystisches Erlebnis (Versuch 5) st?rzt hier von einem Augenblick zum anderen ab in tiefste, unterbewu?te Emotionen, die Michaux? Pers?nlichkeit zutiefst aufw?hlen und verst?ren. Etwas ?hnliches erlebt Huxley nur einmal, als er sich durch den ?berm?chtigen (Aus-)Druck der Wirklichkeit an der Schwelle zur Panik befindet.
Michaux? Verstand f?hrt teilweise einen unerbittlichen Kampf mit der widerspr?chlichen Wirklichkeit seiner Sinneseindr?cke (man erinnere sich an die ?Eidechse?), aber nur, um diesen Kampf letztendlich zu verlieren. W?hrend Huxley vergeblich versucht, sein Verstandesdenken beiseite zu schieben, um Zugang zu Visionen zu bekommen, ist Henri Michaux zu sehr Dichter, um sich nicht willig vom Strudel mitrei?en und in der Tiefe zerschmettern zu lassen ? ?..verf?hrerischer Zustand, voll Zauber, wenn man gegen?ber ist..? (Michaux 1961, 133).


4.2.3 Folgerungen Michaux?

?Extrem?, sagt Michaux, w?re der richtige Name f?r diese Droge, das Meskalin. ?Nichts ist gem??igt. Eine wahnsinnige Furcht, der man nicht entgehen kann, wird (wenn ein Wort oder eine Idee in die Quere kommt, aus der Ferne, dir gar nicht geh?rend) zu einem wirbelsturmartigen Optimismus, dem man sich ebensowenig entziehen kann, gef?hrlich, vorbehaltlos, ganz danach angetan, dich ohne Zaudern auf der Oberfl?che des Wassers wandeln zu lassen..? (Michaux 1961, 229/230).
Was also sagt uns Michaux ?ber seine Erfahrung mit der Droge? Meskalin gleicht einem Herzschlag..und noch einem Herzschlag, einem sich bis in alle Ewigkeit wiederholenden Herzschlag. Es pulsiert..
?Die Unendlichkeit. Alles f?hrt dahin...und alles wird unendlich davon abgelenkt; das ist das meskalinische Drama.? (Michaux 1961, 232).
Doch was sagt Michaux noch?
?Aber welch seltsames Ding dennoch, diese Abk?rzungswege! Eine schlecht verdiente Unendlichkeit.? (Michaux 1961, 233).

Lehnt er die Droge also letztendlich ab? H?lt er andere Wege zur Erkenntnis (z.B. Meditation) f?r gangbarer? War sein Meskalin-Versuch wirklich nur eine ?Erforschung?, wie Michaux eingangs sagt?
Bei uns wei? man zuwenig ?ber diesen Autor, um diese Fragen zufriedenstellend beantworten zu k?nnen. Nur zwei B?cher, ein Gedichtband (erschienen 1954 im Bechtle Verlag Esslingen) und eben ?Die Turbulenz im Unendlichen?, auf die sich meine Arbeit st?tzt, wurden ins Deutsche ?bersetzt. Andre Gide nannte Michaux den ?Sindbad des Geistes? (Michaux 1961, 2), und bei Drucklegung von ?L?Infini turbulent? in Deutschland erschien in Frankreich 1961 ?Connaissance par les gouffres? ? ?Erkenntnis aus Abgr?nden?.
Dieses Buch beginnt mit drei als Motto vorangestellten S?tzen: ?Die Drogen langweilen uns mit ihrem Paradies. Lieber sollen sie uns ein wenig Wissen hergeben. Wir leben in keinem Jahrhundert f?r Paradiese.? (Michaux 1961, 252).
Man kann annehmen, dass Michaux weiterexperimentierte (Andeutungen daf?r finden sich im Nachwort zu ?L?Infini turbulent?, von Kurt Leonhart). Wie weit er dabei f?r seine ?Experimente? auf der Suche nach Erkenntnis gegangen ist? Dar?ber l??t sich nur spekulieren.
Doch Michaux selbst gibt uns so etwas wie einen Fingerzeig, wenn er aus den Hymnen des Rig Veda zitiert:

??Ich bin sehr gro?. Ich erhebe mich bis zu den Wolken.
...
Ich habe Soma getrunken. Ich habe mich dem R?cken der Erde enthoben.
Ich bin angekommen in der Welt des Lichtes, des ?berirdischen Lichtes.
Mein Herz ist jetzt befreit von den Qualen. Ich bin eine weite Ebene, ein Ozean aus Raum...
Ich bin im Licht angekommen. Ich bin unsterblich geworden.
...
La? mich brennen wie ein entfachtes Feuer. La? mich leuchten.?

Das k?nnte einer sagen, der Meskalin genommen hat, diese dem Soma offenbar verwandte Droge.? (Michaux 1961, 24).

Doch Michaux w?re nicht Michaux, wenn er uns nicht auch hier wieder ?eine Nase drehen? w?rde. Bereits im n?chsten Satz zerst?rt er alle Erwartungen und l??t uns wieder v?llig im Ungewissen ? ganz schlicht und einfach (und v?llig unergr?ndlich) Michaux:
?..Aber er sagt es nicht.? (Michaux 1961, 24).

Was also wird diesem ?Sindbad des Geistes?, wie Gide ihn nannte, auf seinen Reisen geschehen bzw. geschehen sein? Darauf kann Michaux in einer seiner Dichtungen am besten selbst antworten (oder auch nicht):

?Da flitzt er hin wie eine Granate. Geschwindigkeit! Das Auge kann nicht folgen. Was wird ihm geschehen? Bei der Ankunft zerspringt er in hundert St?cke, ganz gewi?, und endet im Blut. O nein, er ist ja nicht einmal losgelaufen.
Nur mit seinem Seelengange ist er losgelaufen.? (Michaux 1954, 103).


in the flow



18.6.05 21:17
 

Navigate

Startseite
BlaBla
Sonnenfeuer (von CORAZON)
Beauty Inside
Luzifers Welten
Diary
The Manhattan Diaries
NOW playing...
Jenseits der Matrix
Evolution
In Oz
Die Okarina der Zeit
Doltschin - Die anderen Seiten der Wirklichkeit
Das Ende der Wirklichkeit
Die Royo-Stories
Kristalle
Kristallsplitter
The Dark
Katzengold
Zannalee's Spiegelkabinett (v. A. E.)
Finding Neverland
Challenges
Die Agni-Challenges
Die Asfahani-Challenges
Teuflische Feedbacks von Louis Cyphre
Soundtrax
Favorites: Bücher
Favorites: Albums/Trax
Favorites: Filme
Favorites: Games
Archiv
Über...
precious red rose (inspirations)
DAS BUCH DER TRÄUME - Die Absicht
DIE MATRIX - Die Absicht
...in die Matrix - der Weg ins Wunderland
DIE DRITTE MACHT - Die Absicht
In Oz - Die Absicht
podcasts
deviantARTists & weblogs
Die Farben der Sonne im BUCH DER TRÄUME
Die Geschichte des Elmer Damaskus
endorphinmachine
Gästebuch
Kontakt
Abonnieren


Designed by Annikki van Falkensson
Brushes by Moargh.de