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Das Ende der Wirklichkeit

Teil 10


* Ein Essay von BeautifulExperience *


4.4 CARLOS CASTANEDA


4.4.1 Zur Person; Zugang zur Droge

Carlos C?sar Arana Castaneda wurde am Weihnachtstag 1925 in Peru geboren, siedelte 1951 in die Vereinigten Staaten um, studierte von 1959 bis 1973 Anthropologie und erhielt im M?rz 1973 den Dr. phil. F?r eine Dissertation, die jahrelang die internationale Bestseller-Liste f?r zeitgen?ssische Literatur anf?hrte (?Reise nach Ixtlan?; siehe auch Literaturverzeichnis).
Zuvor hatte Castaneda bereits zwei B?cher ver?ffentlicht, die sich ebenfalls als ?Renner? auf dem Buchmarkt erwiesen.
Gemeinsam war den drei B?chern nicht allein dieselbe Thematik, sondern auch die interessante Tatsache, dass sie sowohl vom allgemeinen Publikum begeistert aufgenommen wurden und gleichzeitig wissenschaftlichen Anforderungen gen?gten.

Castaneda bezeichnet sich als Ethnologe, der seine Aufgabe unter anderem darin sieht, bestimmte seltene oder ungew?hnliche Volksgruppen, ihre Sitten und Gebr?uche vor Ort zu studieren, dann dar?ber sogenannte ?Feldnotizen? anzufertigen und diese anschlie?end zu Berichten aufzuarbeiten.
Seinen Angaben zufolge hatte Castaneda nichts anderes gemacht, als seine Erlebnisse in zusammenh?ngender Form (teilweise in Form eines Tagebuchs) niederzuschreiben und sie zu ver?ffentlichen. Dass diese spannenden und unterhaltenden Berichte auch wissenschaftlichen Kriterien entsprachen, mag an der besonderen Eigenart der Forschungsrichtung liegen, doch ?..andererseits fragten sich Kritiker wie de Mille, warum Castaneda nicht die ?bliche wissenschaftliche Begleitmusik in Form von Analysen, Vergleichen, Interpretationen usw. spiele, um damit seinem Werk Anerkennung in wissenschaftlichen Gremien zu verschaffen.
In seinem ersten Buch hat Castaneda zwar einen Versuch in diese Richtung unternommen, doch das ist sicherlich nicht ausreichend, um wissenschaftliche Anerkennung zu begr?nden.? (Ulrich 1986, 101).

Unter dem Titel ?Die Lehren des Don Juan? beginnt Castaneda seinen Bericht im Sommer 1960, als er als Anthropologiestudent an der Universit?t von Los Angeles mehrere Fahrten in den S?dwesten des Landes (in das mexikanische Grenzgebiet) unternimmt, um bei den dort lebenden Indianern Informationen ?ber den Gebrauch von Heilpflanzen zu sammeln. Durch die Vermittlung eines Freundes lernt er auf einer dieser Fahrten einen alten Indianer kennen, der auf Castaneda einen ungew?hnlichen Eindruck macht und ?..ihn auf zun?chst unerkl?rliche Weise in seinen Bann zieht.? (Ulrich 1986, 102). Der alte Mann stellt sich als Yaqui-Indianer vor, nennt sich Juan Matus, beherrscht ausgezeichnet die spanische Sprache und wird von Castaneda im sp?teren Verlauf ehrfurchtsvoll ?Don Juan? genannt. Der Ethnologe erf?hrt von anderen, dass Juan Matus ein ?brujo? sei, was soviel wie Heiler, Medizinmann, Zauberer oder auch Schamane bedeutet.

Castaneda beginnt diesen mysteri?sen Indianer nun regelm??ig in Mexiko zu besuchen und erlebt eine gro?e ?berraschung: anstatt ?ber den Gebrauch von Heilpflanzen unterrichtet zu werden, wird er von Juan Matus in ein philosophisches, religi?ses oder auch magisches System eingef?hrt. Don Juan hat (ohne diesbez?glich gro?artig um Einverst?ndnis nachzufragen) Carlos als seinen Sch?ler auserw?hlt, genauso wie er selbst fr?her von einem sogenannten ?Wohlt?ter? als Sch?ler auserkoren worden war.
?Grundlage der Lehren des Don Juan ist die Vorstellung, dass die Welt, wie wir sie erleben, nur eine Beschreibung ist, dass die Wirklichkeit nicht wirklich, sondern nur eine M?glichkeit ist, eine von unendlich vielen (...). Als Kind lernen wir unsere Wahrnehmungen mit den Erkl?rungen der Erwachsenen in ?bereinstimmung zu bringen. Erst wenn wir in der Lage sind, all unsere Wahrnehmungen so zu deuten, dass sie sich mit dieser ?berlieferten Beschreibung der Welt decken, werden wir als vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft anerkannt.? (Ulrich 1986, 103).
Anhand verschiedener ?Strategien? und ?bungen (z.B. das Ausl?schen der pers?nlichen Geschichte, das Abstreifen der eigenen Wichtigkeit, das Ablegen jeden Routineverhaltens), die hier zu beschreiben der Platz fehlt, mu? Carlos zun?chst lernen, diese festgef?gte Beschreibung der Welt (Don Juan bezeichnet all das, was mit dem Verstand zu erfassen und anhand von Worten zu beschreiben ist, als das ?Tonal?) abzulegen. Dazu ben?tigt er (neben den genannten Strategien und ?bungen) eine v?llig neue Lebensweise: die Lebensweise des J?gers.
Ein J?ger mu? begreifen, dass alle Menschen, Tiere und Pflanzen, alle Gegenst?nde dieser Welt gleich wichtig oder unwichtig sind. Don Juan preist den J?ger als einen Menschen, der im v?lligen Gleichgewicht mit allem anderen sei. Er t?tet nur soviel, wie er verbraucht, und entschuldigt sich daf?r bei den Tieren. Ein J?ger ?berl??t wenig dem Zufall und ?bernimmt die v?llige Verantwortung f?r alle seine Taten. In diesem Sinne bezeichnet sich Don Juan selbst als J?ger und Krieger, dessen Welt durch pr?zise Handlungen, Gef?hle und endg?ltige Entscheidungen gekennzeichnet sei, und Carlos als Zuh?lter, in dem Sinne, dass dieser nicht f?r sich, sondern f?r andere, f?r die Universit?t, f?r die Frau, f?r den Verleger usw. lebt.
Diese zu Castanedas bisherigem Leben v?llig gegens?tzliche Lebensweise und die durch diese neue ?Lebensinterpretation? zwangsl?ufig erfolgende ?Umkehrung aller Werte? schockt und verwirrt Carlos, der bisher davon ausgegangen war, mit seinem Leben sei alles in Ordnung.

Am Beispiel des J?gers demonstriert Juan Matus eine weitere Eigenschaft, die sich Carlos erarbeiten mu?, wenn er den Zugang zur anderen Wirklichkeit (diese andere Wirklichkeit ist f?r Don Juan das, was nicht mit Worten zu beschreiben ist; eine Wirklichkeit, an die der Verstand nicht heranreichen kann und die im Gegensatz zum ?Tonal?, der geordneten Verstandeswelt, steht: Don Juan bezeichnet dieses Unbekannte als das ?Nagual?) finden will.
Ein J?ger, der sein Salz wert sei, ?..f?ngt das Wild nicht deshalb, weil er Fallen aufstellt oder weil er die Routine seiner Beute kennt, sondern weil er selbst keine Routine hat. Er ist anders als die Tiere, denen er nachstellt, die an feste Gewohnheiten und berechenbare Verhaltensweisen gebunden sind. Er ist frei, beweglich und unberechenbar.? (Ulrich 1986, 104/105).
Carlos mu? sich von Don Juan den Vorwurf gefallen lassen, dass er sich genauso wie die Tiere verhalte. Damit w?rde er automatisch zur Beute f?r andere. Derjenige, der die Beschreibung dieser Welt, ihre festgef?gten Verhaltensweisen und Wahrnehmungen abstreifen wolle, m?sse sich anders als seine Beute verhalten, um nicht selbst gefangen zu werden.
?In dieses Bild, das Carlos als einen willk?rlichen Automaten zeigt, der nicht zu selbst?ndigen, unabh?ngigen Entscheidungen f?hig ist, pa?t auch die Forderung, statt sich verantwortungslos treiben zu lassen, jede Handlung so wichtig wie ?das letzte Gefecht auf Erden? zu nehmen.? (Ulrich 1986, 105). Don Juan bezeichnet den Tod als unseren st?ndigen Begleiter, der uns daran erinnert, dass wir keine Zeit haben, die wir nutzlos vertun k?nnen. Er empfiehlt Castaneda, seine Aufmerksamkeit auf die Tatsache zu richten, dass er keine Zeit habe, und dass es notwendig sei, seine Handlungen auf diese Tatsache einzurichten: ?Lass jede deiner Handlungen deine letzte Schlacht auf Erden sein. Nur unter diesen Bedingungen werden deine Handlungen die Kraft haben, die ihnen zusteht. Sonst werden sie, so lange du lebst, die Handlungen eines verzagten Menschen sein.? (Castaneda 1976, 90).
Don Juan bezeichnet Castaneda als einen Narren, der glaubt, seine Zeit mit unwichtigen Dingen vertr?deln zu k?nnen, die ihm lediglich helfen, seine Alltagsroutine aufrechtzuerhalten und ihm ein falsches Gef?hl von Sicherheit vermitteln.
?Du hast keine Zeit f?r solche Sp??e, du Narr (..). Was immer du gerade tust, es kann deine letzte Tat auf Erden sein. Es kann sehr wohl deine letzte Schlacht sein. Keine Macht der Welt kann dir garantieren, dass du noch eine Minute l?nger leben wirst.? (Castaneda 1976, 88).

Indem Don Juan Carlos lehrt, wie ein J?ger zu handeln, ?zerst?rt? er gezielt dessen Alltagsroutine: er ver?ndert Carlos Einstellung zur Welt und damit auch Carlos selbst.
Nat?rlich ist dieser noch immer weit davon entfernt, wie ein echter ?J?ger? zu handeln, doch Castaneda ?ffnet sich zunehmend der Kritik an seinem Verhalten.

Erst nachdem Carlos etwa ein Jahr in Don Juans ?Schule? gegangen war, hielt dieser die Zeit f?r reif, seinen Sch?ler mit der Wirkung psychedelischer ?Kraft-Pflanzen? bekannt zu machen.
Dabei handelte es sich im wesentlichen um Peyote (lophophora williamsii; eine v.a. in Mexiko vorkommende Kakteenart), um den Stechapfel (datura inoxia) und um einen Pilz.
Und auch genau hierin unterscheiden sich Castanedas Erfahrungen grundlegend von den bisher beschriebenen: waren Huxley, Michaux und Meyrink sozusagen ?Autodidakten?, was das Experiment und den Umgang mit Psychedelica betrifft, so steht Castaneda unter der Anleitung und F?hrung eines erfahrenen ?brujo?; seine Erfahrungen mit den Drogen sind eingebunden in ein komplexes System uralten, traditionellen Wissens, und die Drogenerfahrung ist abgestimmt auf einen bestimmten Lernzweck, den Juan Matus bei Castaneda erreichen will.


in the flow



19.6.05 10:37
 

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