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Das Ende der Wirklichkeit

Teil 12


* Ein Essay von BeautifulExperience *


5 GEFAHREN DURCH MISSBR?UCHLICHE NUTZUNG VON PSYCHEDELICA


Wie bei allen anderen Drogen auch, liegen die Gefahren der Psychedelica in erster Linie im Mi?brauch begr?ndet. Soweit bekannt ist, hat der Gebrauch von Psychedelica keine physische Abh?ngigkeit zur Folge. Doch die Gefahr einer psychischen Abh?ngigkeit (beispielsweise von der euphorisierenden Wirkung des Haschisch) ist nicht zu untersch?tzen.
Doch es gibt auch andere Gefahren, die sich insbesondere bei der Entwicklung der amerikanischen Drogensubkultur klar gezeigt haben. Im Sommer 1967, auf dem H?hepunkt der Hippie-Bewegung, mu?ten sich an der Westk?ste mehr als dreizehntausend Jugendliche in psychiatrische Behandlung begeben, weil sie die Auswirkungen ihrer Experimente nicht mehr unter Kontrolle hatten. Lag es bei einigen an mangelnder Information ?ber die Wirkungen der Drogen und entsprechendem Mangel an Vorbereitung, so lag es bei anderen an zu h?ufigem Gebrauch und bei vielen an Motivationen, die oft mit den Motivationen der Urheber der Bewegung kaum noch etwas zu tun hatten: Psychedelica verkamen zum ?billigen Trip?. (Steckel 1971, 78/79)
Steckel warnt weiter davor, dass der kontinuierliche und h?ufige Gebrauch von LSD, Meskalin und Psylocybin ohne konsequente Integration der psychedelischen Erfahrung in die allt?gliche Lebenspraxis, d.h. ohne entsprechenden Wandel des eigenen Bewu?tseins und der eigenen sozialen Position, zu psychotischen Reaktionen geradezu pr?destiniert. Die Gefahren beginnen quasi dort, wo die psychedelische Erfahrung aus dem eigentlichen kulturell-traditionellen Kontext herausgel?st wird und zum Selbstzweck verkommt. Waren (und sind) die Psychedelica bei traditionellen Stammeskulturen eingebunden in das allt?gliche Leben und in die gesamte Sozialisation (v.a. in Verbindung mit Initiationsriten), so fordert der durch sein gehetztes Leben ungeduldig gewordene Europ?er sozusagen ?den Himmel JETZT?, sozusagen ?auf Knopfdruck? und v?llig ohne Umwege, ungeachtet seiner pers?nlichen Reife.
Doch anstelle des geforderten ?Himmels? einer kosmisch-mystischen Erfahrung erlebt er dann nur allzuoft die ?H?lle? seiner eigenen geistigen ?Beschr?nktheit?.

In den (wenigen) F?llen, in denen man beispielsweise einen zeitlich begrenzten, isolierten LSD-Konsum (in der Regel wird LSD nur als zus?tzlicher ?Kick? bei Cannabis-Rauchern und anderen Drogenabh?ngigen genommen) beobachten kann, werden neurologische St?rungen oder Sehst?rungen beschrieben. Psychiatrische Folgen sind nach Leuner das Echo-Syndrom (flash-back), akute Panikreaktionen, Angstreaktionen, depressive Zust?nde, psychosomatische Beschwerden und psychiatrische Endzust?nde nach langj?hrigem LSD-Mi?brauch ?..wie Charakterver?nderungen i.S. der Depravation, des psych-organischen Syndroms mit Nivellierung i.S. des ?Amotivational-Syndromes?.? (Leuner 1981, 359).
Es werden auch schizophrenieartige und exogen psychotische Bilder beschrieben. Inwieweit der Mi?brauch nun eine vorher depravierte Person oder den Tr?ger einer latenten Schizophrenie traf, ist zwar oft wahrscheinlich, selten aber sicher nachzuweisen. Todesf?lle sind ausschlie?lich Folge grob illusion?ren Verhaltens der im Rausch befindlichen Personen (Leuner 1981, ebenda).
Ronald Steckel geht davon aus, dass die meisten Menschen, die h?ufig und unsachgem?? mit psychedelischen Drogen umgehen, Gefahr laufen, fr?her oder sp?ter in einer psychiatrischen Anstalt oder im Gef?ngnis zu landen. ?Und das nicht etwa, weil die Drogen nach l?ngerem Gebrauch zwangsl?ufig Psychosen verursachen oder gar kriminell machen, sondern weil die gesellschaftliche Wirklichkeit, in der die Drogen genommen werden, psychotische Reaktionen eher f?rdert.? (Steckel 1971, 79)
Denn die positiven Wirkungen der Drogen (die Sensibilisierung der gesamten Wahrnehmungsapparatur, die Aufl?sung der konditionierten Pers?nlichkeitsstruktur) k?nnen sich, so Steckel weiter, bei h?ufigem und unsachgem??em Gebrauch in eine Gefahrenquelle verwandeln: die Realit?tskontrolle (?Realit?t? i.S. unserer gewohnten ?Realit?t?, in der wir uns wohnlich und zumindest scheinbar sicher eingerichtet haben) l??t nach oder geht sogar g?nzlich verloren mit der Folge, dass die Betreffenden bisweilen nicht mehr in der Lage bzw. nicht mehr daran interessiert sind, ihr Verhalten mit den ?Spielregeln? der Gesellschaft in Einklang zu bringen. ?Besonders wenn die Erfahrungen mit den Drogen angenehm und befreiend sind, kann der h?ufige Gebrauch bei einigen Menschen zu einer fatalen Verkennung ihrer objektiven Situation f?hren; sie scheinen dann v?llig zu vergessen, dass sie nicht in einer freien Gesellschaft leben und dass der Gebrauch dieser Drogen mit Gef?ngnis bestraft wird.? (Steckel 1971, 79/80)
Neben der Tatsache einer m?glichen Eigengef?hrdung bei Mi?brauch ist auch die M?glichkeit der Fremdgef?hrdung w?hrend des Rauschzustandes (oder auch bei einem flash-back) nicht zu vergessen.



6 Bedeutung der Psychedelica/Bedeutung einer neuen Sichtweise der Psychedelica f?r
die soziale Arbeit


Der Gebrauch von psychedelischen Drogen ist kriminalisiert; er wird zumindest mit einer hohen Geldbu?e und schlimmstenfalls sogar mit einer Gef?ngnisstrafe geahndet.
Diese Tatsache wirft nicht nur die Frage nach der Bedeutung einer Kategorie von Drogen, die in unserer Gesellschaft kriminalisiert, also illegal und damit scheinbar ?au?erhalb jeglicher Diskussion? ist, f?r die soziale Arbeit auf, sondern auch die Frage nach der Berechtigung einer solch grunds?tzlichen Unterscheidung zwischen legalen und illegalen Drogen.
Angesichts der Tatsache, dass in Deutschland die Zahl der durch die legalen Drogen zu Schaden gekommenen Personen ? man spricht von 2,2 bis 2,5 Millionen Alkoholkranken und rechnet 30000 bis 40000 Todesf?lle pro Jahr, die direkt oder indirekt auf Alkoholgenu? zur?ckzuf?hren sind ? weitaus h?her ist als die Zahl der durch illegale Drogen gesch?digten Personen, stellt sich die Frage nach den Kriterien einer Einteilung von rauscherzeugenden Substanzen in legale und illegale Suchtmittel. Betrachtet man die Statistik der Haupttodesursachen, so f?hren die Herz-/Kreislauf- und die Krebserkrankungen. Dass jedoch ein hoher Prozentsatz dieser Todesursachen auf Alkohol- und Nikotinmi?brauch zur?ckzuf?hren ist, wird wohlweislich nicht an die gro?e Glocke geh?ngt. Schlie?lich verdient der Staat nicht schlecht an Alkohol und Tabak. Sogenannte ?Anti-Drogen-Kampagnen? wie z.B. die staatliche Parolen-Kampagne (in Zusammenarbeit mit dem DFB) ?KEINE MACHT DEN DROGEN? wirken geradezu zynisch, wenn man bedenkt, dass das Hauptproblem im Suchtbereich in Deutschland die legale Drogensucht ? und nicht die illegale, auf die die Kampagnen abzielen ? ist.
Die Probleme im illegalen Bereich sind eine direkte Folge der Kriminalisierung der Abh?ngigen: durch die bestehenden Gesetze sind diese Menschen gezwungen, ein Verbrechen zu begehen, um an ihre Droge zu kommen. Es liegt nun aber keineswegs in meiner Absicht, f?r eine Freigabe aller Drogen zu pl?dieren (f?r soclch einfache L?sungen erscheint mir die Suchtproblematik doch zu komplex); andererseits frage ich mich jedoch, warum nicht auch die gro?en Volksdrogen verboten werden sollten? Ist denn eine Sucht schlimmer als die andere? Verkraftet unser Land drei?igtausend bis vierzigtausend Alkoholtote im Jahr, ja, wie ist es dann ?berhaupt noch verst?ndlich, wenn die ?ffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten bei bereits tausend (illegal) Drogentoten j?hrlich Klageges?nge anstimmen? Hier beginnt der ?Fisch wohl zweifellos am Kopf zu stinken?, um es einmal mit der Sprache des ?einfachen Mannes? auszudr?cken. Die hier zutagetretende gesellschaftliche Doppelmoral ist geradezu faszinierend absurd und hat sehr viel gemeinsam mit einem surrealistischen Gem?lde (auch hier spielt die Vernunft keine Rolle).
Doch Schlu? mit meinem kleinen Ausflug in polemische Gefilde. Versuchen wir einmal unvoreingenommen zu sein und unsere Scheu vor den illegalen Drogen und dabei insbesondere den Psychedelica abzulegen. Zweifellos hat jede Droge ihre ureigenen Gefahren (siehe auch Punkt 5 dieser Arbeit), aber hat auch jede Droge ihren Nutzen?
Hat man jemals von einem therapeutischen Wert von Alkohol und Nikotin geh?rt?
Psychedelica dagegen (insbesondere LSD, aber auch Meskalin und Psilocybin) stellen beispielsweise ein einzigartiges Werkzeug tiefenpsychologischer Diagnostik und Forschung dar, da sie geistig-seelische Ph?nomene und Prozesse ans Licht bringen k?nnen, die sonst kaum zug?nglich w?ren. Stanislav Grof vergleicht die Bedeutung von LSD f?r Psychotherapie und Psychologie mit der des Mikroskops in der Medizin: ?Abstrakte und ?sthetische, psychodynamische, perinatale und transpersonale Erfahrungen unter dem Einflu? von LSD sind nichts anderes als eine Aktivierung und Steigerung pers?nlicher und allgemein-menschlicher Konflikte.? (Grof 1983, 1).
Damit sei die Erforschung der mit diesen Drogen gegebenen M?glichkeiten also nicht nur f?r die Pers?nlichkeitsdiagnose und die Therapie psychischer St?rungen (in deren Randbereichen auch Sozialarbeiter beruflich eingesetzt werden k?nnen) relevant. Sie k?nne auch zu einem tieferen Verst?ndnis von Religion und Kunst und nicht zuletzt zu einer Erweiterung und Ver?nderung unserer Erfahrungen vom Sterben f?hren (Grof 1983, ebenda). Und allein schon letzteres sollte in einer Gesellschaft, in der die Ph?nomene Tod und Sterben st?rker tabuisiert sind als alles andere, ausreichen, den gro?en Nutzen psychedelischer Drogen ? insofern sie kontrolliert angewendet werden ? vor Augen zu f?hren.

Psychedelische Drogen k?nnten jedoch auch in ganz anderer Hinsicht Bedeutung gewinnen. Da sie keine k?rperliche Abh?ngigkeit zur Folge haben, w?re meiner Ansicht nach zu ?berlegen, ob man nicht Menschen in sozialen Berufen, die mit Drogenklientel zu tun haben, die M?glichkeit einr?umen sollte, unter kontrollierten Bedingungen Psychedelica (Meskalin oder LSD scheinen besonders geeignet zu sein) zu sich zu nehmen, um das Ph?nomen Rausch besser verstehen und v.a. ?am eigenen Leib? versp?ren zu k?nnen.
Diesen Selbsterfahrungsaspekt halte ich f?r immens wichtig in jedem Bereich der Drogenarbeit (sei es nun im Therapiebereich oder sei es in der Drogenberatungsstelle). Denn wie kann ich von etwas reden, wie kann ich etwas beurteilen und richtig einsch?tzen, das ich niemals erfahren habe? Wie kann ich einem Klienten aus einer Situation heraushelfen, die ich selbst niemals kennengelernt habe und in die einzuf?hlen mir aufgrund ihrer Fremdartigkeit nahezu unm?glich ist?
Es ist sicher richtig, dass man nicht alle Dinge erst selbst erfahren und ?durchleiden? kann, um anderen Menschen, die in Not geraten sind (sofern sie diese Not als ?Not? empfinden), zu helfen (dazu ist das Leben zweifellos zu kurz). Doch effektive Hilfe kann letztendlich immer nur auf effektivem ?Wissen? beruhen, und effektives ?Wissen? ist niemals antrainiertes ?Buchstabenwissen?, sondern immer ?Erfahrungswissen?.
Die o.g. psychedelischen Drogen bieten unter kontrollierten Bedingungen relativ gefahrlos die M?glichkeit, notwendige Erfahrungen zu durchleben und damit zu gewinnen, um sie sich in der beruflichen Praxis nutzbar zu machen.
Es w?re wohl wirklich intensiv dar?ber nachzudenken, ob man auf eine solche M?glichkeit lediglich aufgrund noch bestehender Ressentiments verzichten sollte.





7 SCHLUSSBETRACHTUNG

?Un?berbr?ckbare Entfernungen drohen uns vom Sein zu trennen, wenn die Ann?herung mi?gl?ckt. Gelingt sie aber, so f?ngt das Sein an, sich zu verdichten; Au?en und Innen, Vergangenheit und Zukunft beginnen zu verschmelzen, die Welt wird heimatlich.
Die Angst wird durch die Wahrnehmung des Unheimlichen erzeugt. Es r?ckt uns n?her, es wird in uns eintreten. Doch nun wird der Augenblick gewonnen, an dem es die Maske ablegt und als das Heimatliche erkannt wird ? es wird als Eigenes vertraut.? (J?nger 1980, 339)

Ernst J?ngers Worte betonen den ganzheitlichen Aspekt der Meskalin-Erfahrung. Es negiert die selbsterrichteten Grenzen und entfernt die Scheuklappen, nicht immer ohne durch den erweiterten Ausblick zu erschrecken.
Die geschilderten Selbsterfahrungen Huxleys, Michaux? und Meyrinks (und letztendlich auch Castanedas) haben die grundlegend gleiche Motivation: sie alle wollten forschen und erfahren und mit Hilfe der psychedelischen Drogen Neuland betreten.
Alle haben sie Erfahrungen gemacht und ihre Schlu?folgerungen daraus gezogen, vielleicht sogar infolgedessen ihr Leben ver?ndert.
Psychedelica blieben Mittel, den eigenen Horizont neu abzustecken: sie dienten dem pers?nlichen Lernproze?.

Die Frage ist: k?nnte man der Allgemeinheit, dem ?Durchschnittsmenschen?, die Reife zugestehen, an einer solchen Erfahrung teilzuhaben, also: Psychedelica f?r alle zug?nglich machen, in der Hoffnung, dass die Menschen ein neues Bewu?tsein ihrer selbst, ein neues, verantwortungsvolleres Selbstverst?ndnis entwickeln?
Und die andere Frage: w?re das wirklich im Interesse derer, die an der Macht sind: w?re es im Interesse der Industrie?
Doch letztlich: w?re der Durchschnittsmensch ?berhaupt dazu gewillt, seine Weltsicht einer solch radikalen Pr?fung auszusetzen, mit der damit verbundenen ?Gefahr?, als Ergebnis der Drogenerfahrung sein gewohntes Leben aus innerer Notwendigkeit heraus ver?ndern zu m?ssen?
Zur ersten Frage noch ein Zitat von Ernst J?nger, das er im Zusammenhang mit einer ?u?erung Aldous Huxleys ?ber das bedauerliche Fehlen eines mit Hilfe psychoaktiver Drogen erreichten Ausflugs in die Welt transzendentalen Erlebens in unserem programmierten Bildungsgang ge?u?ert hat:

?Wenn sie den Stein der Weisen h?tten,
Der Weise mangelte dem Stein.? (J?nger 1980, 341)

Das trifft den Nagel bedauerlicherweise auf den Kopf. Die ?Pflanzen der G?tter? sind nicht f?r alle geschaffen, dazu sind die Psychen zu verschieden: die Haltung, die Einstellung mu? stimmen, um aus dem Erlebnis unbeschadet hervorgehen zu k?nnen. Eine weitere Gefahr w?re, dass Psychedelica lediglich als Fluchtm?glichkeit aus einer unangenehmen ?Realit?t? gesehen w?rden: bunte Bildchen im Kopf gegen das graue Au?en des Alltags.
Zur zweiten Frage l??t sich nur folgendes sagen: solange unsere Gesellschaftsordnung auf dem Prinzip der steten Gewinnmaximierung und pers?nlichen Bereicherung auf Kosten Schw?cherer beruht, solange die perfekte Manipulation der Massen durch Werbung, Trendsetter und ?Herdenerziehung? weiter funktioniert, und solange das ?Schafdenken? in unseren K?pfen vorherrscht ? solange ist der Industrie in die Hand gespielt: Konsum um des Konsums willen...und blo? nicht dar?ber nachdenken!
Psychedelica k?nnten in manchen K?pfen die ?Grenzen der Verdummung? aufrei?en und revolution?res Potenzial blo?legen ? deshalb ist eine Legalisierung ganz sicher nicht im Interesse der Industrie.

Zur dritten Frage: man kann da nur spekulieren. Die Mehrheit derer, die das Gl?ck(?) hatten, in einer der westlichen Industrienationen geboren worden zu sein (wohlgemerkt: nach dem Krieg!), lebt in bequemem und scheinbar sicherem Wohlstand. Der Tod ist nach wie vor ein Tabuthema und wird, so gut es eben geht, verdr?ngt: man denkt einfach nicht daran. Die Folge: man f?hlt sich relativ unsterblich. Der Tod wird nicht als eine existentielle Tatsache begriffen, der pers?nliche Tod wird geleugnet, zugemauert als fixe Idee in den unzug?nglichsten Kammern des eigenen Bewu?tseins. Die Folge davon: man braucht sich in der Regel keine Gedanken ?ber einen eventuellen Sinn des Lebens zu machen, lebt in den Tag hinein und konsumiert, so gut es eben geht (und solange man finanziell mithalten kann). Schlie?lich hat man ja alle Zeit der Welt...
Das konkrete, existentielle Bewu?tsein der eigenen Sterblichkeit, eines Todes, der sich in jedem Augenblick des Lebens ereignen kann, w?rde einen Denkproze? nach sich ziehen, der vielleicht zu Hoffnung Anla? geben k?nnte. Aber der Mensch ist ein Meister im Verdr?ngen unangenehmer Tatsachen; er fl?chtet sich lieber in vielerlei Neurosen, als sich dem zu stellen, was ihn ?ngstigen und ver?ndern k?nnte.
W?rde der Mensch, w?rde jeder Mensch die durch die Droge ausgel?ste Konfrontation mit einer anderen Wirklichkeit seiner selbst aushalten?
Ernst J?nger sagt dazu:
?Das Risiko ist anderer Art. Im Augenblick kann erkannt werden, was sich sonst erst in Jahren enth?llt. Dorthin f?hrt keine Beichte hinab.? (J?nger 1980, 341).
Dieser Schock des Erkennens k?nnte viele Menschen v?llig aus der Bahn werfen. Aber was dann tun, um den gegenw?rtigen, unhaltbaren Status quo in ein Positives zu verkehren? Was tun, um aus unserer selbstgeschaffenen, neuroseschwangeren Sackgasse herauszufinden?
Es gibt keine Patentrezepte, aber Millionen von Wegen, die so verschieden sind wie die menschlichen Charaktere, aber in ihrem dynamischen Zusammenspiel vielleicht ein lebendiges, gesundes Ganzes ergeben.
?Was is Jud, was is Christ, was is ? Heide? ? Name f?r die, wo ? Religion haben statt ?n Glauben.? (Meyrink 1987, 161).

Mir ist klar, dass auch das nicht der Weisheit letzter Schlu? ist. Es ist nicht mehr als ein Fingerzeig, nicht mehr als eine ?Ungef?hr-L?sung?. Vielleicht ist es nicht einmal mehr als der hilflose Versuch einer Antwort auf die gro?e Problemstellung, die uns allen ?ber den Kopf zu wachsen scheint: wie l??t sich schnell genug ein neues Bewu?tsein, ein neues ganzheitliches Selbstverst?ndnis vermitteln, mit der Folge so tiefgreifender Verhaltens?nderungen, dass die Schu?fahrt in den Abgrund gestoppt und vielleicht sogar umgekehrt werden kann?

Weiter l??t sich fragen: ist solch eine Vermittlung mit rationalen Mitteln ?berhaupt zu erreichen? Sind nicht alle rationalen Ans?tze dazu verdammt, als blutleere Theorien und Glaubensbekenntnisse zu enden, die letztendlich nicht gelebt werden?

Vielleicht geht Michaux? Fingerzeig in die richtige Richtung, wenn er sagt:
?Die Beziehungen zum Unterbewu?ten vermehren, darauf kommt es an... Es machen lassen. Es vollenden lassen. Die h??liche Gewohnheit aufgeben, alles selber machen zu wollen...
Den ?daimon? wiederkehren lassen.? (Michaux 1961, 237).
Und vielleicht k?nnen die psychedelischen Drogen dabei hilfreiche Verb?ndete sein.



?Para mi solo recorrer los caminos que tienen corazon,
cualquier camino que tenga corazon. Por ahi yo recorro,
y la unica prueba que vale es atravesar todo su largo.
Y por ahi yo recorro mirando, mirando, sin aliento.
(F?r mich gibt es nur das Gehen auf Wegen, die Herz haben,
auf jedem Weg gehe ich, der vielleicht ein Weg ist, der
Herz hat.
Dort gehe ich, und die einzige lohnende Herausforderung
Ist, seine ganze L?nge zu gehen.
Und dort gehe ich und sehe und sehe atemlos.)?

DON JUAN

(aus: Castaneda 1973, 9)




LITERATURVERZEICHNIS

? Bramly, Serge: Im Reiche des Wakan (Sphinx Verlag, Basel 1982)
? Castaneda, Carlos: Die Lehren des Don Juan (Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1973)
? Castaneda, Carlos: Eine andere Wirklichkeit (Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1975)
? Castaneda, Carlos: Reise nach Ixtlan (Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1976)
? Castaneda, Carlos: Das Feuer von innen (Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1986)
? Castaneda, Carlos: Die Kraft der Stille (S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 1988)
? Corval?n, Graciela: Der Weg der Tolteken - Ein Gespr?ch mit C.C. ? (Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1987)
? Estrada, Alvaro: Maria Sabina ? Botin der heiligen Pilze (Knaur, M?nchen 1980)
? Grof, Stanislav: Topographie des Unbewu?ten - LSD im Dienste der tiefenpsychologischen Forschung ? (Verlagsgemeinschaft Klett-Cotta, Stuttgart 1983)
? Grof, Stanislav: Geburt, Tod und Transzendenz - Neue Dimensionen in der Psychologie ? (K?sel Verlag GmbH & Co., M?nchen 1985)
? H?hle/M?ller-Ebeling/C.R?tsch/Urchs (Hrsg.): Rausch und Erkenntnis ? Das Wilde in der Natur (Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., M?chen 1986)
? Huxley, Aldous: Eiland (Piper Verlag, M?nchen 1970)
? J?nger, Ernst: Ann?herungen - Drogen & Rausch ? (Klett-Cotta im Ullstein Tb., Frankfurt am Main/Berlin/Wien 1980)
? Jung, C.G.: Zivilisation im ?bergang (Gesammelte Werke, Zehnter Band) (Walter-Verlag, Olten und Freiburg im Breisgau 1974)
? Jung, C.G.: Die Archetypen und das kollektive Unbewu?te (Gesammelte Werke, Neunter Band, Erster Halbband) (Walter-Verlag, Olten und Freiburg im Breisgau 1976)
? Kalweit, Holger: Die Welt der Schamanen (Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1988)
? Leuner, Hanscarl: Halluzinogene - Psych. Grenzzust?nde in Forschung und Psychotherapie ? (Verlag Hans Huber, Bern Stuttgart Wien 1981)
? L?tge, Lothar-R.: Carlos Castaneda und die Lehren des D.J. (Hermann Bauer Verlag, Freiburg im Breisgau 1984)
? Maslow, Abraham: Psychologie des Seins (Kindler Verlag GmbH, M?nchen 1973)
? Maslow, Abraham: Motivation und Pers?nlichkeit (Walter-Verlag AG, Olten 1977)
? Meiser, H.C. (Hrsg.): Meister Eckhart (Ausgew?hlte Texte) (Goldmann Verlag, M?nchen 1987)
? Meyrink, Gustav: Das Haus zur letzten Latern (Langen M?ller Verlag, M?nchen Wien 1973)
? Meyrink, Gustav: Das gr?ne Gesicht (Knaur, M?nchen 1987)
? Meyrink, Gustav: Der Golem (Ullstein Verlag, Frankfurt Berlin 1990)
? Michaux, Henri: Dichtungen (Bechtle Verlag, Esslingen 1954)
? Michaux, Henri: Turbulenz im Unendlichen (Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1961)
? Montal, Alix de: Le Chamanisme (Deutsche ?bersetzung im Heyne Verlag, M?nchen 1985)
? R?tsch, Christian: Indianische Heilkr?uter - Tradition und Anwendung ? (Diederichs Gelbe Reihe im E. Diederichs Verlag, K?ln 1987)
? Reavis, Edward: Rauschgiftesser erz?hlen (Goldmann Verlag, Berlin 1986)
? Satprem (mit Luc Venet): Das Leben ohne Tod - Auf dem Weg zum Menschen hinter dem Menschen ? (Goldmann Verlag, M?nchen 1987)
? Smit, Frans: Gustav Meyrink - Biographie ? (Droemer-Knaur Taschenbuch, M?nchen 1990)
? Steckel, Ronald: Bewu?tseinserweiternde Drogen (Edition Voltaire, Berlin 1971)
? Ulrich, Hans E.: Von Meister Eckardt bis Carlos Castaneda (Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1986)
? Witschel, G?nter: Rausch und Rauschgift (H. Bouvier u. Co.-Verlag, Bonn 1968)


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19.6.05 10:46
 

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