Das Buch der Träume
Gratis bloggen bei
myblog.de

Doltschin - Die anderen Seiten der Wirklichkeit (21)

* Eine Geschichte von BeautifulExperience *

Für Tanja


Peter Boltons Gesichtszüge verkrampften sich. Vor Keoma Lewis saß ein Mann, der mit aller Macht darum kämpfte, nicht den Verstand zu verlieren.

„...denn ich wünsche mir, dass all das wahr ist, was dieser Klient mir erzählt, ohne zu wissen, warum ich mir wünsche, an diese Unmöglichkeiten zu glauben, von denen ich...einige...ja sogar...ich habe einige mit eigenen Augen...“

Keoma Lewis beugte sich vor und hielt Peter Bolton bei den Schultern, redete ihm leise zu:

„Lassen sie ihn los, Peter. Er kann ihnen nun keinen Dienst mehr erweisen. Er kann lediglich ihren Geist zerstören, wenn sie weiter an ihm festhalten...“

Peter Bolton wimmerte nun wie ein kleines Kind, bemühte sich, die Sprache wiederzufinden, starrte Keoma aus tränenüberströmten Augen hilfesuchend an:

"Dieser Klient, Keoma...hören sie...was wird er nun...tun? Wissen sie, Keoma: Er hat...er hat alles zerstört, woran ich mein ganzes Leben lang geglaubt habe. Er kam einfach hier herein und zerstörte mein ganzes Leben und...
Was werden sie nun tun, Mr. Lewis??!?"

Peter Bolton lag nun in Keomas Armen wie ein kleines Kind, zutiefst verunsichert und über alle Maßen hilflos, nahe daran, rettungslos wahnsinnig zu werden.

"Ich werde von hier fortgehen, Peter...und gleichzeitig werde ich für immer bleiben, denn wohin sollte ich gehen?"

Keoma lächelte. Seine kristallblauen Augen betrachteten einen Punkt, der nicht im Raum war.

"Ich werde gehen und, wenn sie wollen, Peter, nehme ich sie mit..."

Peter blickte hoffnungsvoll auf, beruhigte sich langsam, begann, an die Möglichkeit einer Unmöglichkeit zu glauben:

"Sie werden zurückkehren nach CORAZON?
Sie wollen es wagen...und alles zurücklassen?"

"Da ist nicht viel - für niemanden. Hier werden sie nur sterben."

"Und dort, Keoma? Was ist dort?"

"Dort ist alles möglich."

Keoma schaute Peter Bolton bestimmt an:

„Es ist die einzige Wahl, die sie haben, Peter: Sie können hierbleiben...“ Er lächelte spitzbübisch.
„...oder mitkommen. Mir ist es gleich.“

„Doch wie wollen sie die Tür finden, Keoma? Und wenn sie die Tür finden, werden sie den Weg wissen?“

Keoma lachte laut auf, er lachte aus vollem Hals.

„Die Tür, Peter...die Tür ist überall. Es gibt keinen Platz auf dieser Welt, wo sie nicht wäre.
CORAZON ist das Herz der Welt. ER ist in ihrem tiefsten Inneren verborgen, und SEINE Türen führen in alle möglichen Welten.
Den INNEREN KREIS habe ich niemals wirklich verlassen, denn TANIA und KEOMA sind nur die zwei Seiten einer einzigen Medaille. Wo SIE ist, bin auch ICH, und wo WIR sind, da ist CORAZON.
Unzählige Welten durchdringen einander, und zwischen allen gibt es Türen. Es braucht nicht mehr als den unbeugsamen Willen, sie durchschreiten zu wollen.
Den Weg zu den DOLTSCHINS aber...den Weg habe ich vor langer Zeit markiert. Ich kann ihn nicht verfehlen, denn in meinem HERZEN bin ich noch immer dort.“

Und Peter Bolton mit seinem begrenzten menschlichen Verstand begann tatsächlich zu verstehen - begann zu verstehen, weil er das Mental frei fließen ließ, es nicht anklammerte an angelernten Fixpunkten:

„Und CORAZON ist nichts anderes als das HERZ, nicht wahr? Es macht keinen Unterschied, ob sie gehen oder bleiben, denn sie sind immer dort, weil sie in ihrem tiefsten Inneren identisch sind mit CORAZON?“

Keoma nickte.

„Der Unterschied liegt in der Manifestation, im Bewusstsein. Es macht im Grunde keinen Unterschied, ob ich dort lebe oder hier sterbe. Doch wenn ich bewusst bin, bin ich fähig. Was mein Bewusstsein umschließt, kann es erreichen. Hier, auf dieser Erde, erscheint die Welt als Begrenzung: Es ist der dunkle Ort der Unmöglichkeiten, der Ort der zahllosen DU-KANNST-NICHT und DU-DARFST-NICHT.
Doch bin ich bewusst, Peter, bin ich fähig; und wenn ich fähig bin, wäre ich dumm, hierzubleiben, wenn es noch andere Welten gibt.“

„Doch werde auch ich fähig sein, dort zu überleben?“

„Wer kann sagen, wozu sie fähig sind, Peter? Es hängt von ihrem Bewusstsein ab. Drinnen und draußen ist nichts außer CORAZON mit seiner unendlichen schöpferischen Freiheit. CORAZON ist einer; da ist nichts außer IHM.“

In diesem Moment fiel alle Angst von Peter Bolton ab. Irgendwie schien nun alles so klar, so unglaublich einfach zu sein...

„Doch was ist zu tun, Keoma? Wie öffnen wir die Tür?“

Keoma lachte ein letztes Mal.

„Nichts ist zu tun, Peter. Wir gehen einfach...“

Peter Bolton lachte ebenfalls.

„Ja, Keoma. Wir gehen, weil wir gehen wollen. Es gibt nichts Einfacheres.“

So standen sie auf und gaben sich die Hand. DIE TÜR aber öffnete sich ganz weit - und der Dschungel brach mit Macht in unsere Wirklichkeit.




EPILOG


„Dr. Peter Bolton wurde am 17. November von seiner Familie als vermisst gemeldet.
Er blieb spurlos verschwunden.
Ein Mr. Lewis, der von Dr. Boltons Sekretärin als letzter bekannter Klient genannt worden war, verschwand ebenfalls spurlos, am gleichen Tag, als seine Frau in ihrem Ehebett ermordet wurde.
Ein Zusammenhang zwischen dem Verschwinden von Lewis und der Ermordung seiner Frau wurde vermutet, konnte aber nie nachgewiesen werden. Die vermissten Personen wurden nie mehr gefunden.

Dr. Boltons Büro blieb leerstehen, nachdem eventuelle Mieter von seltsamen Erscheinungen - Stimmen und ohrenbetäubendes Gelächter ohne weitere anwesende Personen, aus dem Nichts erscheinendes Laubgrün im Raum, stürmische Winde bei geschlossenen Fenstern - abgeschreckt und vertrieben worden waren.
Ein Medium, das man auf die seltsamen Phänomene angesetzt hatte, sagte etwas von einer Tür, die nicht richtig geschlossen worden wäre und aus der, wenn man nicht aufpasste, alles mögliche hereinkommen könnte, alles mögliche...
Die Eingangstür zu Dr. Boltons ehemaligem Büro wurde kurzerhand zugemauert, nachdem die Phänomene kein Ende nehmen wollten. Schließlich: Sicher ist sicher!“

(Aus dem städtischen Wochenblatt)



“Der Tod ist kein Feind, auch wenn er es zu sein scheint. Der Tod ist nicht unser Zerstörer, auch wenn wir dies glauben.“
„Was ist er denn, wenn nicht unser Zerstörer?“ fragte ich.
„Die Zauberer sagen, der Tod ist der einzige würdige Gegner, den wir haben“, antwortete er. „Der Tod ist unser Herausforderer. Um seine Herausforderung anzunehmen, sind wir geboren – ob Durchschnittsmenschen oder Zauberer. Die Zauberer wissen davon; die Durchschnittsmenschen nicht.“
„Ich selbst würde sagen, Don Juan, dass das Leben, und nicht der Tod, die Herausforderung ist.“
„Das Leben ist der Prozeß, mittels dessen der Tod uns herausfordert“, sagte er. „Der Tod ist die aktive Kraft. Das Leben ist die Arena. Und in dieser Arena stehen immer nur zwei Kämpfer zur gleichen Zeit; man selbst und der Tod.“
„Ich würde meinen, Don Juan, dass wir Menschen die Herausforderer sind“, sagte ich.
„Ganz und gar nicht“, erwiderte er. „Wir sind passiv. Denk einmal darüber nach. Wenn wir uns bewegen, dann nur, weil wir den Zwang des Todes fühlen. Der Tod bestimmt das Tempo unserer Handlungen und Gefühle, er stößt uns erbarmungslos weiter, bis er uns zerbricht und den Kampf gewinnt, oder aber, wir erheben uns über alle Möglichkeiten und besiegen den Tod.
Die Zauberer besiegen den Tod, und der Tod erkennt die Niederlage an, indem er die Zauberer freigibt, um sie nie wieder herauszufordern.“

Carlos Castaneda, Die Kraft der Stille



- ENDE -
30.5.07 20:33
 

Navigate

Startseite
BlaBla
Sonnenfeuer (von CORAZON)
Beauty Inside
Luzifers Welten
Diary
The Manhattan Diaries
NOW playing...
Jenseits der Matrix
Evolution
In Oz
Die Okarina der Zeit
Doltschin - Die anderen Seiten der Wirklichkeit
Das Ende der Wirklichkeit
Die Royo-Stories
Kristalle
Kristallsplitter
The Dark
Katzengold
Zannalee's Spiegelkabinett (v. A. E.)
Finding Neverland
Challenges
Die Agni-Challenges
Die Asfahani-Challenges
Teuflische Feedbacks von Louis Cyphre
Soundtrax
Favorites: Bücher
Favorites: Albums/Trax
Favorites: Filme
Favorites: Games
Archiv
Über...
precious red rose (inspirations)
DAS BUCH DER TRÄUME - Die Absicht
DIE MATRIX - Die Absicht
...in die Matrix - der Weg ins Wunderland
DIE DRITTE MACHT - Die Absicht
In Oz - Die Absicht
podcasts
deviantARTists & weblogs
Die Farben der Sonne im BUCH DER TRÄUME
Die Geschichte des Elmer Damaskus
endorphinmachine
Gästebuch
Kontakt
Abonnieren


Designed by Annikki van Falkensson
Brushes by Moargh.de