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The Manhattan Diaries
Teil 5


* Eine Geschichte von BeautifulExperience *


Im Virgin Megastore am Times Square fühlte sich Bo wie zuhause. Dabei war gerade der Times Square der Platz, der Tanja und mich am meisten abnervte, aber schließlich war Bo ja auch bereit, mit uns jedes Geschäft in der Fifth Avenue abzuklappern. Der Times Square ist wie ein riesiger Ameisenhaufen, von Menschen völlig überlaufen, mit riesigen Neonreklamen, die den Eindruck einer Kulisse aus „Blade Runner“ hinterlassen. Sogar die police station des NYPD blinkt wie ein Weihnachtsbaum. Für Bo war der Times Square das Herz von Manhattan; ich fand diese riesige Konsumkreuzung einfach nur stressig!
In den paar Tagen Manhattan gab er eine Unmenge für CD’s, Artbooks (v.a. von Royo) und seine ganz besonderen Comics aus, Hentai mit Titeln wie „The New Bondage Fairies“, „Temptation“, „Princess of darkness“ und dazu noch berüchtigte Comics von Eric van Gotha, die wie die japanischen Hentai frei verkäuflich waren – zumindest am Times Square keine Spur vom ansonsten eher prüden Amerika. Tanja und ich amüsierten uns prächtig, zumal die Japaner wirklich pervers abgehen: Lehrerinnen verführen ihre pubertierenden Schüler, Mädchen lassen sich von ihrem Schäferhund entjungfern, und schnuckelige kleine Wald-Feen treiben es miteinander und mit Wieseln und Insekten. Aber alles so schön gezeichnet, dass man sich der Wirkung der Bilder kaum entziehen kann.
Nachdem Bos erster Kaufrausch befriedigt war, waren wir mit Sephora dran, einer Nobelparfümerie, in der man sich in Ruhe umsehen und testen kann. Schon am Eingang wird man freundlich durch das Sicherheitspersonal gegrüßt, und die Verkäuferinnen tragen edle schwarze Hosenanzüge und sehen sehr sexy aus. Während wir durch die Regale streiften und Kosmetika entdeckten, die es in Deutschland gar nicht gibt, lümmelte Bo sich in ein schwarzes Ledersofa und blätterte in einem sketchbook von Royo – mit dem Effekt, dass er allen Ernstes von zwei weiblichen Angestellten angesprochen wurde, ob dies sein artwork sei. Sie blätterten begeistert im Buch und es fehlte nur noch, dass er bluffte und ihnen Autogramme gab. Dabei kann er nicht mal einen Elefanten zeichnen, der sich von seinen gemalten Hunden oder Kühen unterscheidet!

*

Die Luft im Ladeninneren war eiskalt, die Klimaanlage falsch eingestellt, und einen Augenblick war es wie ein Schock. Es war düster, die einzigen Lichtquellen die Beleuchtung der Aquarien, deren Spiegelungen die Wände in ein Licht tauchten, dass ich den Eindruck hatte, unter Wasser zu sein. Einen Augenblick lang blieb ich stehen und sah mich um, das Klangspiel an der Tür klimperte nur noch leise. Dann ging ich an den sicher zwei Dutzend Aquarien vorbei in den hinteren Teil des Ladens, teilte den aus unzähligen kleinen Glaskugeln bestehenden Vorhang und betrat einen Raum, der voller Terrarien mit wirklich widerlichen Echsen und Schlangen war.

*

Die Upper East Side mit Madison und Park Avenue grenzt an die Südostseite des Central Parks an, und hier betraten wir sozusagen beinahe heiligen Boden, nämlich den Originalschauplatz eines unserer Lieblingsfilme, „Eiskalte Engel“. Ein heißes Gefühl, die gleiche Straße entlang zu schlendern, in der sich Sebastian (gespielt von Ryan Phillipe) und Ronald ihre Auseinandersetzung liefern und Sebastian vor ein Auto gerät und überfahren wird.

„Liebe ist ein Spiel. Ohne Gewinner.“

Der Slogan des Films ist so geil, dass ich jedesmal das gleiche aufregende Gefühl habe, wenn ich mir das Cover der DVD anschaue. „Eiskalte Engel“ ist mit Sicherheit die modernste Verfilmung von Choderlos de Laclos’ Briefroman „Les liaisons dangereuses“. Und das Bewusstsein, hier entlang zu streifen, wo sich Reese Witherspoon in der todtraurigen Schlussszene neben Ryan Philippe niedergekniet hat, war einfach Wahnsinn!

*

Ich bemerkte den Asiaten erst, als er mich ansprach. Er war wie ein Schatten, und er wurde erst mit seiner Bewegung lebendig. Ich war so in Gedanken, dass ich erschrak.
Er lächelte und wiederholte, was er gesagt hatte, doch ich verstand kein Wort. Er zeigte auf eine rote Tür und deutete mir an, hineinzugehen, und obwohl mir mit einem Mal bewusst wurde, dass ich keine Laute von der Straße mehr hören und mich nicht einmal mehr erinnern konnte, warum ich diesen Laden betreten hatte, ging ich mit dem alten Asiaten, der mich sanft an der Schulter berührte, immer noch lächelte und in hypnotischem Singsang auf mich einredete, auf die Tür zu.

*

Die Geschwindigkeit war kaum zu spüren, aber als ich die Anzeige der Stockwerke verfolgte, wurde mir schlecht, und ich hielt Tanjas Hand ganz fest. In wenigen Augenblicken vom zweiten in den dreißigsten, fünfzigsten, achtzigsten Stock – es war, als ob wir an eine Rakete geklammert in den Himmel emporstiegen. Dann der zweite Lift hoch in den 86. zur Aussichtsplattform des Empire State Building, und dann war uns klar, warum King Kong ausgerechnet dieses Gebäude für seine Kletterpartie ausgesucht hatte.
New York City erstreckte sich unter uns wie ein gigantisches Relief in alle Himmelsrichtungen – Wolkenkratzer mutierten zu Miniaturen und Dachterrassen mit Swimming-Pools sahen wie Spielzeuganlagen aus. Der Central Park erstreckte sich als einzige nennenswerte Grünfläche Manhattans in einem langgezogenen Rechteck nach Norden, und der schmutzig-blaue Himmel über der sommerlichen Stadt verlieh New York beinahe etwas Apokalyptisches. Der Blick nach Downtown ließ die Türme des World Trade Center wie ein Nachbild wiederauferstehen, und die freie Fläche inmitten der südlichen Skyline hatte etwas Gespenstisches. Die Vorstellung, was hier in dieser hochzivilisierten Stadt vor beinahe einem Jahr geschehen war, war so widersinnig und unnatürlich, dass die Fakten in diesem Augenblick unbegreiflich schienen.
Der Lärm der Stadt drang wie ein stetiges Rauschen in diese Höhe, und New York erschien mit einem Mal nicht wie eine Stadt, sondern wie ein gigantisches, sich andauernd veränderndes Lebewesen.
20.8.06 19:58
 

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