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The Manhattan Diaries
Teil 7


* Eine Geschichte von BeautifulExperience *


Der Trump Tower an der Fifth Avenue sah auf den ersten Blick wie ein Palast aus. Kaum hatten wir das Gebäude betreten, wurden wir beinahe erschlagen von all dem auf Hochglanz polierten Kupfer und Marmor. Doch die prunkvollen Rolltreppen führten ins Leere: die wenigen und eher uninteressanten Geschäfte boten statusorientierte und unbezahlbare Waren an, und die durch Sicherheitsdienste abgeriegelten Fahrstühle machten klar, dass es sich bei dem Tower im Wesentlichen um eine exklusive Wohnanlage für Menschen handelte, die mehr zu verlieren hatten als andere.

Im Inneren war es kühl wie in den meisten Gebäuden Manhattans, und die warmen Farbtöne standen in seltsamem Kontrast zur Temperatur.
Als wir die erste und einzige frei zugängliche Dachterrasse betraten, war die Hitze des Sommers wie eine Wand. Der Verkehrslärm war nervtötend, und die Abgase machten das Atmen schwer. Aber als ich nach oben schaute, funkelte der Tower wie ein Diamant im Sonnenlicht. Die Terrassen stiegen in mehreren Ebenen an, und die kleinen Bäume auf jeder einzelnen spendeten etwas Schatten.

Doch irgendetwas stimmte nicht. Ich wurde den Gedanken nicht los, und ich begann, mich unwohl zu fühlen. Ich sah Tanja und Bo an, aber sie spürten nichts – vielleicht ließen sie es sich auch nicht anmerken. Und als ich wieder nach oben schaute, war es auf einmal so offensichtlich. Der Tower war wie eine Inkapyramide, errichtet im südamerikanischen Dschungel und gleichzeitig auf der Fifth Avenue zu Ehren des Sonnengottes, eines Gottes, der sich in seinen Glasfassaden bricht und sein Licht auf die Stadt hinunter fließen lässt wie die Priester das Blut der Opfer über die Stufen der Pyramide. Während ich darauf wartete, dass die Sonne rot wurde, begann ich zu zittern, und Bo nahm mich in den Arm - völlig blind für das, was ich gerade sah. Und als ich die Augen schloss, weil ich den Anblick der glitzernden Fassaden nicht mehr ertragen wollte, konnte ich ihre angsterfüllten Schreie und die dumpfen Laute der Trommeln hören.

*

Als ich die Hand um den Türknauf schloss, fühlte er sich wie warmes Wasser und gleichzeitig doch fest an, und ich wunderte mich, dass meine Finger nicht hindurchglitten, sondern wirklich Halt fanden.
Das Rot der Tür stach mir in die Augen, und ich konnte das Blut nicht nur riechen, ich konnte es auf der Zunge schmecken. Ich konnte mich kaum noch erinnern, was hinter mir lag (die Terrarien, die Straße) – jeder Gedanke hatte nur noch leichtes Gewicht und fühlte sich ähnlich flüssig an wie der Griff in meiner Hand: auf andere Weise fest und vibrierend bis ins kleinste Atom.
Ich sah ihn an, und das Lächeln des Asiaten wollte mich beruhigen. Es war wie losgelöst auf seinem Gesicht, beinahe, als wollte es abheben, weil es die Nähe seiner kalten Augen nicht ertragen konnte. Das Lächeln wurde zum Grinsen, und mir fiel die Farbe seiner Zähne auf: dieses nicht mehr ganz weiße Weiß, der Tod unter der Oberfläche.
Ich hatte einen Gedanken, doch der Blutgeschmack hinderte meine Zunge, ihn in verständliche Worte zu kleiden, und mit einem leisen Aufstöhnen drehte ich den Knauf. Obwohl ich mich nicht erinnern kann, auch nur einen weiteren Schritt gemacht zu haben, bewegte ich mich vorwärts. Ich hatte die Augen geschlossen, und die Wärme umfing und durchdrang mich. Es war, als würde ich in etwas Lebendiges eintreten.

*

„Liebe ist ein Spiel. Ohne Gewinner.“

Als ich die Gelegenheit nutze, Sebastian in die Augen zu schauen – nur einen Augenblick lang, Sekunden bevor Ronald auf ihn aufmerksam wird und ich unfähig werde, mich auch nur einen Millimeter zu bewegen, kaum noch atmen (ich atme nicht mehr!) und keinen Laut von mir geben kann, um das Kommende zu verhindern und die Gefahr irgendwie abzuwenden -, da kann ich die abgrundtiefe Traurigkeit, die Verzweiflung und den unausgesprochenen Wunsch sehen, der dann zu allem anderen und der finalen Katastrophe führt: Sebastians heimliches Gebet, diese mit aller Seelenkraft vorgetragene Bitte, die unbedingt erfüllt wird. Die Umstände ordnen sich mit unheimlicher Präzision an, und Ronald erreicht genau in der Sekunde den Level an Hass, der ihn befähigt, die Konfrontation zu seinen Gunsten zu entscheiden. Ich weiß nicht, wie ich auf die Leinwand geraten bin, aber diese Leinwand hält mich fest, während sich alles andere um mich herum in unglaublicher Geschwindigkeit und zugleich erschreckender Langsamkeit abspielt. Ich strecke meine Hand nach Sebastian aus, ohne sie zu bewegen, und ich fühle, wie meine Seele über die Grenzen meines Körpers hinauswächst. Ich habe kein Gefühl mehr dafür, was wirklich ist.
20.8.06 20:19
 

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